Das Goldene Dreieck – Märchenhaftes Nordindien
Reisebericht, Dezember 2019
Auf dieser Indien-Tour reiste ich in die Städte Delhi, Agra und Jaipur, die das sogenannte „Goldene Dreieck“ bilden. Einen kleinen Abstecher unternahm ich zusätzlich noch in den Ranthambore-Nationalpark, um auf Tigerpirsch zu gehen. Ich nehme Sie heute mit auf eine kurze, aber spannende Reise durch Nordindien und stelle Ihnen die Höhepunkte dieser Städte vor, die einen interessanten Einblick in die faszinierende Kultur dieser indischen Region geben.
Meine Reise startete in Delhi und schon beim Landeanflug mitten in der Nacht erkannte ich durch das glitzernden Lichtermeer unter mir die großen Ausmaße dieser fast 20 Millionen-Metropole. Die Einreise am Flughafen in Delhi gestaltete sich als ziemlich unproblematisch. Lediglich der Ausdruck des zuvor in Deutschland beantragten E-Visums samt Reisepass, ein vor Ort auszufüllender Zettel mit Angaben über das erste Hotel, Flugnummer etc. sowie Abgabe der Fingerabdrücke und ein freundliches Lächeln in die Kamera reichten aus, um den indischen Einreisestempel im Reisepass zu erhalten.
Nach Erledigung der Einreiseformalititäten und der Gepäckabholung wurde ich dann von meinem privaten Reiseleiter herzlich in Empfang genommen und in das Hotel gefahren. Da es noch relativ früh am Morgen war, hatte ich noch ein wenig Zeit mich im Hotel auszuruhen, bevor wir gemeinsam zur Stadtbesichtigung in Delhi aufbrachen.
Anders als am frühen Morgen waren die Straßen nun in der indischen Metropole total überfüllt und es herrschte ein absolutes Verkehrschaos. Neben zahlreichen Autos schlängelten sich Busse, Motorräder, Tuktuk-Fahrer, Handkarren und Fußgänger durch die Straßen der Weltmetropole – und mittendrin in diesem exotischen Verkehrschaos die heiligen Kühe, die jedoch von jedem Verkehrsteilnehmer Vorfahrt gewährt bekommen. Begleitet wird dieses Chaos noch durch ein permanentes Hupkonzert! Da hilft auch die moderne U-Bahn in Delhi nicht viel, die täglich Millionen Menschen durch die Stadt transportiert.
Der Aufenthalt in Delhi ist auch vom Gegensatz zwischen Arm und Reich bestimmt. Das Leben in Delhi wird ohne Frage von Elend und Glamour geprägt. Moderne gläserne Hochhäuser und Bürotürme stehen den Slums gegenüber. Große glitzernde Malls mit internationalen Marken, Fastfoodketten und Starbucks sind ebenfalls zu finden wie traditionelle Basare und Garküchen an den Straßen, marode Häuserfassaden sowie Obdachlose, die auf Pappkartons nächtigen.
Für Reisende, die noch nicht so weit in der Welt herumgekommen sind, kann dies ein großer Kulturschock sein! Ich kannte bereits Indien durch mehrere Reisen in der Vergangenheit, aber auch ich muss gestehen, dass ich ein wenig Zeit brauchte, um wieder voll in das indische „Chaos“ einzutauchen und auf der „indischen Welle“ mich einfach durch das faszinierende Land treiben zu lassen. Erst wenn man diesen Punkt erreicht hat, ist das schrille, bunte und laute Indien ein beeindruckendes Land mit einer reichen Kultur sowie faszinierenden (und vielen!) Einwohnern!
Alt- und Neu-Dehli
Mein Erkundungstour in der indischen Hauptstadt führte mich zuerst in die Altstadt von Delhi. Die imposante Jama Masjid, die größte Moschee Indiens, thront majestätisch auf einem kleinen Hügel über der Stadt und ist außerhalb der Gebetsstunden auch für Nichtmuslime zu besichtigen. Erbaut wurde die Moschee von Shah Jahans zwischen 1650 und 1656 und bietet auf ihrem Innenhof Platz für bis zu 20.000 Gläubige.
Bei einer anschließenden Rikscha-Fahrt durch Old Delhi erkundete ich das enge Gassengewirr und erhielt an den zahlreichen Markt- und Essensständen einen Einblick in die kulinarische Vielfalt des Landes. Natürlich blieb auch genügend Zeit, um einen leckeren typischen Chai zu trinken und exotische Gewürze einzukaufen.
In Neu-Delhi besichtigte ich dann das repräsentative Regierungsviertel sowie das imposante India Gate, das über 40 m in den Himmel emporragt und dem Arc de Triumph in Paris nachempfunden ist. Das heutige Wahrzeichen von Delhi wurde 1931 erbaut und in den Mauern sollen an die 90.000 Namen von gefallenen Soldaten eingraviert sein. Ein schwarzer Sarg mit einer stets lodernden Flamme soll an die gefallenen Landsleute erinnern. Das India Gate als auch das nahegelegene kostenfreie Museum wird stets gut von Einheimischen besucht.
Sri Bangla Sahib Gurudwara – beeindruckender Sikh-Tempel
Wer genügend Zeit in Delhi hat, sollte auch unbedingt dem beeindruckenden Sikh Tempel Sri Bangla Sahib Gurudwara einen Besuch abstatten. Das Innere des Tempels betritt man ohne Schuhe aber mit Kopfbedeckung, die vor Ort auch ausgeliehen werden kann.
Im Innern des Tempels gilt leider ein Fotografierverbot, obwohl die goldene Einrichtung, der Kronleuchter und die Dekoration auf alle Fälle ein Foto wert ist. Im Tempelinneren werden durchgehend den ganzen Tag Verse aus dem heiligen Buch der Sikhs rezitiert, während Gläubige andächtig beten und dem Klang der hypnotisierenden Musik lauschen.
Neben dem Tempel mit dem künstlichen riesigen Wasserbecken, in dem sich die helle Fassade des Tempels spiegelt, sollte man auch unbedingt die gewaltige Gemeinschaftsküche besichtigen. Hier werden durch freiwillige Helfer und von Spendengelder kostenlos Mahlzeiten gekocht, die an alle Besucher verteilt werden. Jeder der möchte, kann in der Küche mithelfen oder das Essen an die Besucher oder an die Bedürftigen verteilen, die je nach Geldbeutel im Anschluss für die Mahlzeit eine Spende abgehen.
Der Lotustempel der Baha’i in Delhi
Während einer Besichtigungstour durch Delhi erkennt man sehr schnell, dass Delhi eine multireligiöse Stadt ist. Mehrheitlich leben hier Hindus, Moslems und Sikhs neben den christlichen und jüdischen Minderheiten friedlich vereint in einem respektvollen Miteinander zusammen.
Eine weitere religiöse Minderheit sind die Bahá’ís, deren religiöser Ursprung im Iran liegen. Sehr sehenswert ist auch der imposante Bahá’í-Tempel in Neu-Delhi. Der schöne Sakralbau mit der gewaltigen Kuppel wird aufgrund seines Architekturstils auch Lotustempel genannt und steht für alle Religionsgemeinschaften offen. Im Innern ist es ein Ort der Ruhe und Andacht, man findet jedoch keine großartige Innenausstattung in Form von einem Altar oder religiösen Bildern oder Statuen vor.
Köstliche indische Küche
Zum Abendessen erwartete mich ein vorzügliches Dinner, das mich auf die weiteren kulinarischen Genüsse der nächsten Tage einstimmen sollte.
Das indische Essen ist geprägt von vielfältigen Gewürzmischungen und Soßen. Da das Land sehr groß ist, gibt es eine enorme Auswahl an regionale Köstlichkeiten. Diese sind jedoch überwiegend vegetarische Gerichte, da viele Inder sich ausschließlich ohne Fleisch ernähren. Selbstverständlich bekommt man auch Fleischgerichte, Tabu ist lediglich Rindfleisch, da in Indien die Kühe heilig sind!
Sehr zu empfehlen ist ein indisches Thali. In kleinen Schälchen erhält man eine Vielzahl von leckeren Köstlichkeiten, die u.a. mit Dal (Linsencurry), verschiedenen Gemüsecurrys oder wahlweise mit einem Fleischcurry gefüllt sind. Sehr schmackhaft ist auch Aloo Gobi Masala, ein Kartoffel-Blumenkohl-Curry oder Biryani, ein aromatisches Reisgericht mit Gemüse. Für Fleischliebhaber ist das Tandoori Chicken zu empfehlen. Das Hähnchenfleisch wird in einer würzigen Joghurtpaste mariniert und anschließend in einem Tandoor (Lehmofen) gegrillt bis es butterzart ist. Zu allen Gerichten werden werden Reis, Naan oder Chapati (indische Fladenbrotsorten) gereicht.
Das märchenhafte Grabmal Taj Mahal – ein Traum aus weißen Marmor
Auf ging’s zu meinem nächsten Reiseziel: Agra! Hier erwartete mich mit dem weltberühmten Taj Mahal (UNESCO Weltkulturerbe) die wohl größte Sehenswürdigkeit in Indien.
In formvollendeter Schönheit erstrahlt im weißen Mamor der zweifellos teuerste und schönste Liebesbeweis der Welt – das Taj Mahal! Im Jahr 1631 ließ der Moghulkaiser Shah Jahan für seine geliebte Ehefrau Mumtaz Mahal dieses grandiose Mausoleum errichten. Über Jahrzehnte meißelten rund 20.000 Handwerk am Taj Mahal und erschufen eines der schönsten und imposantesten Bauwerke der islamischen Architektur– ein wahrer Traum aus weißen Marmor!
Wer im Luxushotel „The Oberoi Amarvilas“ nächtigt, das lediglich 600 m vom Taj Mahal entfernt liegt, kann das architektonische Juwel zum Sonnenauf und -untergang bewundern. Mit solch einem atemberaubenden Blick auf das Taj Mahal kann der Tag nicht besser starten oder ein ereignisreicher Tag in Agra enden! Das wechselnde Licht der Sonnenstrahlen verwandelt das Monument der Liebe stets in ein neues beeindruckendes Meisterwerk!
Neben dem prachtvollen Taj Mahal ist auch das gewaltige und beeindruckende Agra-Fort ein Meisterwerk der mogulischen Architektur und stand auf meinem Besichtigungsprogramm, bevor ich Agra in Richtung Ranthambore-Nationalpark verließ. Die Fahrt unterbrachen wir immer wieder für Fotostopps am Straßenrand oder für einen leckeren indischen Chai, den typischen schwarzen Tee, der mit Zucker und Milch aufgekocht wird – einfach köstlich!
Tiersafari im Ranthambore-Nationalpark
In Ranthambore stand dann ein Safari-Abenteuer an und ich wollte auf Wildtierbeobachtung gehen! Bei einer geführten Exkursion mit einem erfahrenen Nationalparkranger fuhren wir mit einem offenen Jeep in den knapp 400 Quadratkilometern großen Ranthambore-Nationalpark, der die Heimat von Leoparden, Lippenbären, Affen, Sambarhirschen und einer Vielzahl von Vögeln ist. Mit etwas Glück begegnet man auch einem Tiger, aber leider bekam ich an diesem Morgen den „König des Dschungels“ nicht zu Gesicht. Er hatte sich wohl zu sehr in seinem natürlichen Lebensraum versteckt oder wollte sich mir einfach nicht zeigen! Klar, eine Garantie, einen Tiger zu Gesicht zu bekommen, gibt es in keinem indischen Naturreservat, doch nirgends sollen die Chancen so gut wie im Ranthambhore Nationalpark stehen.
Trotz allem war die Jeep-Safari im Ranthambore-Nationalpark eine spannende Exkursion und ich habe eine Menge anderer Tiere in freier Wildbahn gesehen. Von Juli bis September sind jedoch keine Safaris möglich, da das Tierschutzgebiet wegen dem Monsun und den jährlich zu erfolgenden Tierzählungen von der Parkbehörde geschlossen wird.
Jaipur – die rosarote Stadt
Vom Ranthambore-Nationalpark setzte ich dann meine Reise nach Jaipur, in die rosafarbene Stadt fort. Die gesamte Innenstadt wurde im Jahr 1876 zu Ehren des Besuchs von Prinz Albert in der sogenannten Begrüßungsfarbe rosa angestrichen und trägt seitdem den Namen „Pink City“.
Ein besonderes Gebäude in der Altstadt, das in verschiedenen rosafarbenen Tönen schimmert, ist der Palast der Winde, der auch unter dem Namen „Hawa Mahal“ bekannt ist. Das Wahrzeichen der Stadt Jaipur wurde Ende des 18. Jahrhunderts erbaut und beeindruckt durch seine markante fünfstöckige Fassade mit 953 kunstvollen Fenstern. Die prachtvolle Fassade diente früher den Palastdamen dazu, geschützt hinter den Fenstern pompöse Festumzüge oder das Alltagsgeschehen auf der Straße zu beobachten, ohne selbst gesehen zu werden. Aufgrund der speziellen Architektur der ungewöhnlichen Fassade ist eine ständige Luftzirkulation im Inneren gewährleistet, sodass der prächtige Palast den Namen „Palast der Winde“ erhielt.
Im Anschluss stattete ich dem eindrucksvollen Stadtpalast eine Besuch ab, der bis heute noch von den Nachkommen der Maharaja-Familie bewohnt wird. Einige Gebäudeteile sind jedoch für die Öffentlichkeit zugänglich und beherbergen prachtvoll verzierte Säle mit Spiegelwänden- und decken sowie kostbare Exponate.
Fußläufig vom Stadtpalast entfernt, befindet sich das beeindruckende Freiluftobservatorium Jantar Mantar (UNESCO-Weltkulturerbe), das vom Stadtgründer und Hobbyastronomen Jay Sing II. zwischen 1728 und 1734 errichtet wurde. Mit seinen astronomischen Kenntnissen und den Bau von Instrumenten konnte man schon zu dieser Zeit ziemlich genau die Position der Sterne und Planeten bestimmen.
Zurück in dem Gewirr der Altstadtgassen in Jaipur schlenderte ich dann noch ein wenig über die Märkte. Dies war ein Potpourri der Farben und Düfte Indiens – ein Erlebnis sowohl für die Augen und für die Nase!
Nicht verpassen sollte man auch die Besichtigung des mächtigen Amber-Forts, das sich ca. 10 Kilometer außerhalb von Jaipur befindet. Von der gewaltigen sandsteinfarbenen Festung, die hoch oben auf einem Hügel thront, kann man einen herrlichen Ausblick auf die umliegende Hügellandschaft genießen. Der Festungskomplex von Amber fasziniert mit zahlreiche Innenhöfen und prächtigen Palasthallen sowie Pavillons, die den einstigen Reichtum der Rajputen-Fürsten erahnen lassen. Ein besonderer Blickfang ist zudem der Spiegelsaal, der mit Millionen von Spiegelmosaiken verziert ist.
Nach einem interessanten Besichtigungstag in Jaipur hatte ich mir dann für einen Abend ein ganz besonderes Restaurant ausgesucht: das Swapna Mahal im Raj Palace Hotel! Auch wenn man vielleicht nicht in diesem Märchenpalast in Jaipur wohnt, so empfiehlt es sich auf alle Fälle hier einmal zu speisen und sich bei einem royalen Abendessen in einem pompösen Ambiente in die alten Zeiten der Maharajas zu träumen.
Zurück in Delhi hieß es dann sich von diesem eindrucksvollen Land zu verabschieden. Indien, ein Land mit prachtvollen Tempelbauten, ein Mosaik aus Farben, pulsierend, chaotisch und voller Gegensätze – atemberaubend & beeindruckend schön! Man kann es kaum in Worte fassen – man muss es selbst erleben, Indien bereisen und sich von seinem ganz persönlichen indischen Abenteuer in den Bann ziehen lassen!














